Konzert "Fremde Federn" am 8.8.2016 Born

LIAISONG auf dem Darß

Von Walter Kaufmann  8.8.2016

Sie passen gut zueinander, im Leben wie auf der Bühne, die blonde Frau und der hochgewachsene Mann mit dem lockigen grau melierten Haar; singfreudig beide -  ein Künstler-Duo, das sich LIAISONG nennt. Charmant, bildhaft und stets kurzweilig moderiert Dunja Averdung die Auftritte, leitet über zum eigenen Auftritt und zugleich auch zu 

Joerg Nasslers virtuosem Gitarrenspiel. Als jüngst die beiden in der Fischerkirche zu Born auf dem Darß ihr Medley „Fremde Federn“ vorstellten, wurde gleich klar, sie hatten es verinnerlicht, hatten sich die Lieder so zu eigen gemacht, dass die, die diese Lieder schrieben und vertonten, höchst angetan gewesen wären. Der meist so lässige Manfred Krug, dem es, wenn nötig, an Biss nicht fehlt, hätte seiner sanft-melodische Komposition „Wenn du schläfst mein Kind“ wohlwollend zugehört, Veronika Fischer ihren „Sommernachtsball“ bejubelt,  Paul McCartney bei Joerg Nasslers Singen von „Blackbird“ beide Daumen gereckt und so manchem Mexikaner wäre bei ihrem „Besame mucho“ das Herz aufgegangen. 

Fremde Federn? Russischer als Dunja Averdung Jewtuschenkos „Nachthexen“ gegeben hat, war das Loblied auf jene todesmutigen Sowjet-Pilotinnen im zweiten Weltkrieg nicht zu singen - in wie vielen Sprachen noch, so fragte man sich, würde das Duo sich zukünftig bewähren, bei größter Identifikation mit dem fremden Liedgut. Und immer wieder erstaunte  ihre Bühnenpräsenz, die voller Verve, Esprit und Anmut war. „Fremden Federn“ verging wie im Fluge.

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Konzert "Als ich 14 war" am 10.April 2016 In Bad Schwalbach - Taunusbühne

Link zur Rhein Main Presse vom 11-4-2016

Foto:wita/Martin Fromme

Rezension: Anja Baumgart-Pietsch

Wir danken der Rhein Main Presse für die Genehmigung der Verlinkung zu diesem Artikel.

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Konzert "Als ich 14 war" am 11.März 2016 Berlin-Spandau, Theaterbühne Kulturhaus Spandau

Privater Brief von Joachim Mädlow (Danke für die Genehmigung der Veröffentlichung)

Liebe Frau Averdung,

 

ich hätte im Anschluss an Ihr sehr schönes Konzert im Kulturhaus Spandau gerne noch ein paar Worte mit Ihnen gesprochen, aber Sie waren zu sehr in andere Gespräche vertieft. 
Das Programm "Als ich 14 war" hat mir sehr gut gefallen – gerade durch seine Mischung von Titeln östlicher und westlicher Herkunft. Ich denke, in der DDR wurde die Kultur des Ostens und des Westens gleichermaßen wahrgenommen. Im Westen war das nicht so (das mag auch daran liegen, dass die Zentren der innovativen Popmusik – England und die USA – nun einmal zur westlichen Hemisphäre gehörten). Was Ihr Partner Jörg Nassler erzählt hat, dass sich die ganze Klasse beim Pfarrersjungen traf, um westliche Platten zu hören und in westlichen Zeitschriften zu blättern, wäre andersherum undenkbar gewesen. Der Westen war sich selbst genug. Auf den Osten blickte man herab, ohne ihn zu kennen. – Diese Einstellung hat sich mit der Wende natürlich nicht schlagartig geändert und wirkt teilweise noch heute nach. Um so besser, dass Sie mit diesem Programm auch im ehemaligen Westberlin und in den "alten Bundesländern" unterwegs sind! Bei mir selber – geboren 1963 und aufgewachsen in Spandau, wo ich heute wieder wohne – lief alles ein bisschen anders und "gegen den Strich". Als ich 14 war, interessiert ich mich für Popmusik überhaupt nicht, sondern nur für klassische Musik. Bei mir lautete die Frage nicht "Beatles oder Stones", sondern "Mozart oder Wagner". Erst viel später erschloss sich mir über französische Chansons, amerikanische Singer-Songwriter und deutsche Liedermacher langsam das Genre Folk und schließlich auch Rock und Pop. 
Kurz nach der Wende, 1991, ging ich nach Dresden und blieb dort 11 Jahre. Da wurde mir klar, dass ich einen Haufen DDR-Kultur aller Sparten nachzuholen hatte – aber auch westliche Popmusik. Damals waren Paul McCartney, Bob Dylan und Ulla Meineke im Grunde genommen für mich ebenso neu wie Barbara Thalheim, Veronika Fischer und Tamara Danz – um nur ein paar Beispiele aus Ihrem Programm zu nennen. Dieses Programm war also für mich keine Erinnerung an meine Jugend, sondern an die Zeit, wo ich mit Anfang 30 die Jugend in musikalischer Hinsicht nachgeholt habe. 
Die wichtigste Erfahrung für mich ist, dass es keinen Wert-Unterschied zwischen Klassikern aus dem Bereich der sogenannten "E"- und sogenannte "U"-Musik gibt. Die berühmte Gänsehaut bekomme ich in der Oper und beim Anhören von Schubert-Liedern – aber genauso bei Songs wie "Ces gens là" von Jacques Brel, "American Pie" von Don McLean, "Am Fenster" von City oder "Bataillon d'amour" von Silly, um mal fast willkürlich ein paar zu nennen. 
Von den ostdeutschen Liedermachern schätze ich, wie schon gesagt, Gerhard Schöne außerordentlich. Auch er hat sich kürzlich dankenswerterweise einmal nach Spandau "verirrt". Ihr Konzert war für mich Anlass, nach Barbara Thalheim zu googeln, wobei ich zu meiner großen Überraschung und Freude feststellte, dass sie immernoch aktiv ist! Ich hatte 1995 ihre "Abschiedstournee" erlebt – aber sie kann es anscheinend doch nicht lassen... Jedenfalls werde ich kommenden Freitag eine Veranstaltung von ihr in Berlin besuchen. 
Mein absoluter Favorit unter den ostdeutschen Liedermachern / Rockmusikern war Gerhard Gundermann, von dem ich nicht nur fast alle CDs besitze, sondern auch diverse Live-Auftritte miterlebt habe. Sein früher Tod ist für das deutsche Musikleben ebenso tragisch wie der von Tamara Danz.   

Viele Grüße Joachim Mädlow

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CD "NACHTHEXEN"

... Besonders an diesem Album ist, daß es vom ersten bis zum letzten Ton außerordentlich anregend, abwechslungsreich und vergnüglich daherkommt. Diese Leichtigkeit entspringt der souveränen Haltung der Protagonisten, denen es fern liegt, indem sie sich um Frauen kümmern, Männer gering zu schätzen. Diesem Grundton ist zu danken, daß kein Mißklang aufkommt. ... 
Das Quartett beherrscht sein Handwerk aus dem Effeff. ... 
Dunja und Scarlett genießen es, ihrem Affen Zucker zu geben. Sie singen solo und im Duo, zart und derb, laut und leise, eindringlich und zutiefst berührend oder frech auf den Putz hauend, schmachten und schmettern - aber immer mit sichtlichem Vergnügen. Sie geben sich selbst: Gestandene Frauen, die sich in der Welt behaupten. Sie sind Schwestern im Geiste, wissen um ihre unterschiedlichen Charaktere und Stimmanlagen, vertuschen diese nicht oder glätten sie gar, sondern stellen sie aus und ergänzen sich auf wunderbare Weise, so daß die Wirkung des Ganzen über die bloße Addition der Einzelteile hinauslangt. ... 
Ganz nebenbei gehen wir auf eine musikalische Reise um die Welt und durch die Zeiten, bekommen lateinamerikanische Folklore, Chanson und russische Lieder geboten. Das Zwei-Mann-Orchester Ehle & Nassler meistert das vielfältige Material mit Akkuratesse und bewegt sich mit Leichtigkeit und musikantischem Spaß im Material. ... 
Summasummarum: Wir lernen auf unterhaltsam vergnügliche Weise, daß es beileibe nicht so ist, daß große Leistungen von Frauen nur darin bestanden, ihren Männern beständig gesagt zu haben, wohin der Hase zu laufen hat - Frauen haben einen eigenen, aber gern unter dem Teppich gehaltenen Anteil an der Entwicklung von Wissenschaft, Technik, Kunst und Kultur. Und ob hinter jeder erfolgreichen Frau ein Mann gestanden hat, mag bezweifelt werden. Meist haben Frauen trotz ihrer Männer Außergewöhnliches geleistet. 
(Thomas Bruhn, ND/Kultur 21.Oktober 2014)

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